SOLOALBUM (2003)

SOLOALBUM
(Deutschland 2003)
Mit Matthias Schweighöfer, Nora Tschirner, Oliver Wnuk, Christian Näthe, Lisa Potthoff u.a.
Regie: Gergor Schnitzler
Drehbuch: Jens-Frederik Otto nach dem Roman von Benjamin von Stuckrad-Barre
Dauer: 92 min
Meine Wetung: 5/10

Inhalt:
Der hippe junge Musikredaktor Ben kriegt von seiner Freundin den Laufpass – per SMS. In der Folge versucht der eitle Gockel alles Mögliche, um wahlweise darüber hinwegzukommen oder sie zurückzugewinnen. Dabei macht er sich konstant zum Affen, was seiner coolen Fassade nicht eben förderlich ist.

Weshalb wertet gabelingeber Soloalbum als mittelmässigen Film?
Ein Quentchen Männer, eine Prise High Fidelty – und fertig ist die neue deutsche Komödie. Die Anonymität dieser harmlos-zotigen Verlustbarkeit ist symptomatisch für das aktuelle deutschsprachige Kino: Man setzt auf sichere Werte, dann hat man wenigstens an der Kasse Erfolg. Hier geht die Rechnung nur bedingt auf: Die Hauptperson ist zu unsypathisch, um Mitleid zu wecken, die Episoden sind zu beliebig, als dass sie haften bleiben würden – es sei denn, man greift zu deftigen Mitteln wie etwa dem Urinieren ins Innere eines Personenwagens durch dessen Seitenfenster – samt „Eingeklemmtem“ (für unsere deutschsprachigen nördlichen Nachbarn: Ein „Eingeklemmtes“ ist der neu-helvetische Ausdruck für eine von zwei Scheiben Brot umgebene … nein, nicht Wurst; es handelt sich dabei meist um eine Scheibe Fleisch oder Käse).
Man sieht also, mit welchem geistigen Kaliber man es hier zu tun hat: Mit „leichter Unterhaltung“. Diese ist den Machern des Film streckenweise durchaus gelungen. Die restliche Strecke aber bleibt dann doch recht bescheiden befahren.

Wo bekomme ich die DVD?
Der Film ist u.a. beiamazon.de bestellbar.

SEN TO CHIHIRO NO KAMIKAKUSHI (2001)

SEN TO CHIHIRO NO KAMIKAKUSHI
(dt.: Chihiros Reise ins Zauberland)
Japan 2001
Regie und Drehbuch: Hayao Miyazaki
Dauer: 120 min
Meine Wertung: 8/10

Inhalt:
Chihiro und seine Eltern kommen auf dem Weg zu ihrem neuen Wohnort vom Weg ab und landen vor einer Art Tempel, durch welchen sie in eine seltsame, von Monstern und Hexen bevölkerte Welt gelangen. Als die Eltern den Göttern geweihte Esswaren vertilgen, verwandeln sich in Schweine, und Chihiro landet in einem riesigen, von der Hexe Yubaba geführten Badehaus, wo sie sich mit einigen Menschenkindern anfreundet. Nachdem sie der alten Hexe das Handwerk gelegt hat, findet sie mit Hilfe von deren Schwester und ihren Freunden ihre Eltern und den Ausgang in die reale Welt wieder.

Weshalb wertet gabelingeber Sen to Chihiro no kamikakushi als guten Film?
Sen to Chihiro no kamikakushi
ist ein Kultfilm für die Anhänger des japanischen Animationsstudios Ghibli. 2002 erhielt er den Oscar für den besten Animationsfilm. Für westliche Filmfreunde ist er eher gewöhnungsbedürftig, denn vieles darin wirkt für Leute die der japanischen Kultur unkundig sind – den Verfasser dieser Zeilen etwa – fremd und bizarr. Ekelerregendes wie endlos kotzende und dadurch schrumpfende Monster oder wandelnde, bestialisch stinkende Eiterhaufen kontrastieren hier aufs Schärfste mit einer unendlich liebevoll gestalteten Hintergrundmalerei.
Dass in diesem Film Zivilisationskritik geübt wird, erschliesst sich dem ungebildeten Westler nicht so ohne weiteres, da es der Realität entfremdete Monster und Fabelwesen sind, welche Sünden wie Habsucht, Umweltverschmutzung entweder begehen oder am eigenen Leib erfahren. In Japan wird das offenbar verstanden, dort gilt Sen to Chihiro no kamikakushi als kritischster Film des Animationsfilmers Hayao Miyazakis.
Eine profunde, erhellende und sehr gut geschriebene Rezension findet sich auf dem schönen Blog Japankino von Klaus Wiesmüller.
Für  mich Laien bleibt Sen to Chihiro no kamikakushi ein etwas zu lang geratenes, zeichnerisch aber fantastisches Fantasy-Erlebnis, das vor visuellen und anderen Einfällen fast birst.

Wer sollte sich Sen to Chihiro no kamikakushi ansehen?
Die Freunde des Animationsfilms sollten ihn schon mal gesehen haben, Kenner des Japanischen Kinos sowieso.

Wo bekomme ich die DVD?
Sie ist u.a. bei amazon.de erhältlich.

EINE WEN IIG, DR DÄLLEBACH KARI (2012)

EINE WEN IIG, DR DÄLLEBACH KARI
(Schweiz, 2012)
Mit Nils Althaus, Carla Juri, Hanspeter Müller-Drossaart, u.a.
Regie und Drehbuch: Xavier Koller
Meine Wertung: 10/10

Inhalt:
„Dällebach Kari“ – sein richtiger Name war Karl Tellenbach – war ein in der ganzen Schweiz bekanntes Berner Stadtoriginal. Bekannt war er vor allem durch seine witzigen und schlagfertigen Sprüche und Bonmots, die bis in die Siebzigerjahre als „Dällebach-Kari-Witze“ in der ganzen Schweiz weitererzählt wurden. 1931 stürzte sich der schwer an Krebs Erkrankte von der Berner Kornhausbrücke. Soviel zur Information für meine bundesrepublikanischen Blog-Leser.
Kollers Film führt uns „Karis“ letzten Tag vor Augen, an dem er sein Leben nochmals Revue passieren lässt, insbesondere seine tragische Liebesgeschichte zur Kaufmannstochter Annemarie Geiser, eine Liebe, die am Standesunterschied zwischen dem einfachen Coiffeurmeister mit der Hasenscharte und der Tochter aus gutem Hause scheiterte.

Weshalb wertet gabelingeber Eine wen iig, dr Dällebach Kari als grossen Film?
Xavier Koller gelingt es mit seinem neuen Film (nach eingen erfolglosen Arbeiten in den USA und 22 Jahre nach seinem letzten in der Schweiz gedrehten Kinofilm) nahtlos an die emotionale Wucht seiner früheren Werke („Reise der Hoffnung“, „Der schwarze Tanner“) anzuschliessen. Es gelingt ihm ein Liebesfilm von solch zarter Schönheit und emotionaler Tiefe, dass gabelingeber ins Grübeln geriet, wann er wohl zuletzt einen Schweizer Film gesehen hat, der ihm die Tränen in die Augen getrieben und der ihn noch so lange nach Filmende beschäftigt hatte.
Koller setzt nicht auf billige Effekte. Vielmehr beweist er Mut zum Gefühl, d.h. Mut, Gefühle im Kino zuzulassen. Und das in einem Land, in dem sich Filmemacher Gefühle sonst verbieten! Und prompt sind die Kritiker nun entweder ratlos oder quengeln über die „Tränendrückerei“. Mir erscheint dieser Vorwurf lachhaft – da wird nichts „gedrückt“, nur zugelassen. Aber das reicht schon, um bei Kritikern und einem Teil des Publikums den konditionierten Abwehrreflex zu aktivieren. Lieber wieder zur massentauglichen Militärklamotte, oder was?
Die Liebesgeschichte zwischen Dällebach Kari und Annemarie Geiser schmerzt, weil man von Beginn weg um deren traurigen Ausgang weiss und weil es eine reine, echte Liebe ist, die uns Koller und seine Crew da vorführen. Gezeigt wird ein Paar, das Grösse besitzt. Es bringt die Grösse auf, über alle Schranken der gesellschaftlichen Konvention hinweg zu lieben. Diese Liebe ist wahr, weil sie sich keinen Moment um Äusserlichkeiten kümmert, weil sie sich über alles hinwegsetzt, was die damalige Konvention vorgab – inklusive Hasenscharten und höhere Einkommen.
Koller zeigt zwei Menschen, die wahre innere Grösse besitzen – Kari, weil er die Frotzeleien seiner Mitmenschen erträgt und sie mit scharfem Humor retourniert, Annemarie, weil sie den Menschen hinter der Hasenscharte erkennt und ihn um seinetwillen liebt. Der Film vermittelt die Ahnung, dass die Fähigkeit, echt lieben zu können innerer Grösse bedarf. Dass er dies thematisiert und wie er dies vermittelt – nämlich mittels kleiner Gesten, in zartesten Tönen, als Kammer- und Trauerspiel – das macht ihn zu einem grossen Film.
Mit diesem Werk gibt Koller dem „Dällebach Kari“ jene Grösse zurück, die ihm mit all den Witzen und durch Kurt Frühs Verfilmung von 1970 genommen wurde. Dällebach war nicht der Hanswurst und Säufer, der tragische Pagliacco als der er dort gezeigt wurde.
Eine wen iig… drückt nicht „billig auf die Tränendrüse“, er lässt bloss die Gefühle, die zu dieser himmeltrarigen Geschichte nun mal gehören, nicht aussen vor. Auch dies macht ihn zu einem grossen Film.
Hervorragende Schauspieler bewahren das zarte Gespinnst von Kollers Drehbuch vor dem Sturz ins allzu Profane, allen voran die fantastische Carla Juri, welche der Annemarie eine fast durchsichtige Zartheit verleiht.
Der Film gehört zum besten, was das schweizerische Filmschaffen seit Jahrzehnten hervorgebracht hat. Eine wen iig… ist meines Erachtens der Film, für den man jetzt ins Kino pilgern sollte – wenn man in der Schweiz wohnt.
Ob er den Weg nach Deutschland findet bleibt zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss. Hierzulande lief er am ersten Wochenende offenbar eher harzig an. Ein Erfolg wäre ihm von Herzen zu gönnen – aber wie’s oft geht: Ein Meisterwerk wird oft erst Jahre nach seinem Kinostart als solches erkannt.

Vor bekomme ich die DVD?
Noch nirgends – der Film ist eben erst angelaufen – in den Schweizer Kinos.

A PRAIRIE HOME COMPANION (2006)

A PRAIRIE HOME COMPANION
(dt.: Robert Altman’s Last Radio Show)
USA 2006
Mit Garrison Keillor, Meryl Streep, Lily Tomlin, Kevin Kline, Woody Harrelson, John c. Reilly, Tommy Lee Jones, Virginia Madsen, Lindsay Lohan u.a.
Drehbuch: Garrison Keillor und Ken LaZebnik
Regie: Robert Altman
Dauer: 105 min
Meine Wertung: 10/10

Inhalt:
„A Prairie Home Companion“ – so heisst eine real existierende Radiosendung, die der Schriftsteller Garrison Keillor seit Jahren schreibt und moderiert. Sie basiert auf den Mustern alter Radiosendungen der 50er-Jahre und verquickt Country-Music mit witzigen Sketches. Keillor hatte diese Form mit grossem Erfolg wiederbelebt.
Den Film schrieb Keillor sich und seiner Show auf den Leib. Er geht von der Annahme aus, das Fitzgerald-Theater, wo die Sendung seit Jahren vor Live-Publikum über die Bühne geht, sei an einen texanischen Ölbaron verkauft worden und stünde vor dem Abriss. Wir begleiten die Protagonisten durch die allerletzte Vorstellung des „Prairie Home Companion“. Es wird geliebt, gestorben, gelacht, gesungen und… gefurzt. Wie im richtigen Leben! (Im „richtigen Leben“ läuft die Sendung heute noch – hier ist ihre Homepage mit zahlreichen Hörbeispielen).

Weshalb wertet gabelingeber A Prairie Home Companion als grossen Film?
Was soll ich sagen? A Prairie Home Companion gehört zu meinen liebsten Filmen.
Es handelt sich um einen dieser Filme, die man nicht wirklich erklären kann. Man muss sie sehen, um zu verstehen. Es handelt sich um einen dieser Filme, die plötzlich „abheben“; die plötzlich mit Magie verzaubern, mit jener Magie, die es nur im Kino und auch dort nur sehr selten gibt. Möglich, dass diese „Magie“ nicht von allen gleich wahrgenommen wird. Möglicherweise braucht es dazu eine gewisse Empfänglichkeit. A Prairie Home Companion ist jedenfalls ein Film voll solch „magischer Momente“.
Etwa wenn die beiden Cowboys Rusty und Lefty ein Lied aus lauter bad jokes vortragen. Oder wenn Meryl Streep und Lily Tomlin in ihren Rollen als abgehalftertes singendes Geschwisterpaar den Song My Minnesota Home zum besten geben, während ein Engel durch die Kulissen wandelt. Klingt kitschig – ist es aber nicht. (Wie gesagt: Man kann diesen Film nicht erklären!)
A Prairie Home Companion ist ein Film übers Sterben. Er wurde zu Robert Altmans letztem Film, und man spürt, dass er dies wusste, dass die ganze Crew dies wusste. Das Sterben wird hier völlig unsentimental als Alles muss einmal zum Ende kommen mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf der Bühne gefeiert. Es gibt Sentimentalitäten, doch die werden derart beiläufig, leichthändig und trocken serviert, dass sie tatsächlich zu Herzen gehen. Um sogleich und aus heiterem Himmel von einer dieser wunderbar skurrilen Werbeeinlagen unterbrochen zu werden (Be Bop A-Reebop Rhubarb Pie). Altmans letzter Film ist zum Kringeln traurig und zum Schluchzen lustig.
Er wartet mit einem beeindruckenden Staraufgebot auf, und selten sah ich einen Film, bei welchem jeder Einzelne derart in seiner Rolle aufgeht wie hier. Woody Harrelson und John C. Reilly sind Rusty und Lefty, Meryl Streep und Lily Tomlin sind die Johnson Sisters. Allen voran steht aber der Autor und Moderator, Garrison Keillor, der für mich die eigentliche Entdeckung des Films war. Seine Texte funkeln vor Brillianz – er trägt sie mit dem Gestus eines gelangweilten Oberkellners vor. Die Country-Songs, von denen der Film voll ist, wurden von Keillor entweder neu getextet oder gleich neu komponiert – sie sind ein Vergnügen für sich, auch für Leute (wie mich), die mit diesem Musikstil nie etwas anfangen konnten.
Robert Altman, der nicht wusste, ob er den Film zu ende inszenieren konnte – man engagierte Paul Thomas Anderson als Aushilfs-Regisseur auf Abruf – läuft hier mit seinem berühmten kaleidoskopartigen Stil noch einmal zu alter Hochform auf. Es ist nicht ganz klar, ob A Prairie Home Companion nun mehr Altmans oder mehr Keillors Film ist. Sicher ist, dass Keillor die Dialoge am Set ständig wieder umschrieb. So kann man sich vorstellen, dass er sich von Altmans „Abschied“ hat inspirieren lassen, denn vielen Sequenzen ist das Thema Tod eigen, das ganze Werk dreht sich ums Abschiednehmen in all seinen Facetten.
Ein wahrhaft grosser Film, der seine grossen Gefühle auf Sparflamme serviert, der einen eigenen Kosmos entwickelt, in dem sich Kunstfiguren wie der Privatdetektiv Guy Noir oder der Engel im weissen Trenchcoat mit Menschen aus der realen Welt treffen; ein Film, der von vielen noch immer unbemerkt seiner Entdeckung harrt – gesponsert von Powdermilk Biscuits!

Wo bekomme ich die DVD?
Sie ist ganz einfach bei amazon.de bestellbar.

DÉSACCORD PARFAIT (2006)

(dt.: Wir verstehen uns wunderbar)
Frankreich 2000
Mit Charlotte Rampling, Jean Rochefort, Ian Richarsdson…
Regie und Drehbuch: Antoine de Caunes
Dauer: 89 min
Meine Wertung: 5/10

Inhalt:
Alice d’Abanville und Louis Ruinard, die Schauspielerin und ihr Regisseur: Beide waren vor 30 Jahren ein Paar. Dann machte er einen Seitensprung, es kam zum Zerwürfnis, man ging sich aus dem Weg und beschmiss sich aus der Ferne mit Dreck.
Nun treffen die beiden in England wieder aufeinander, sie ganz Giftspritze, er der alternde Charmeur, der seine Verflossene zurückzuerobern versucht. Tatsächlich gelingt es ihm, die Verhärtung aufzuweichen, man kommt sich – trotz Ehemann – wieder näher. Und näher. Und näher…

Weshalb wertet gabelingeber Désaccord parfait als mittelmässigen Film?
Désaccord parfait
– schon der Titel klingt… angestrengt. Angestrent originell, angestrengt witzig.
Das hat Programm: Der ganze Film wirkt so: Angestrengt witzig, gewollt geistreich, absichtsvoll originell. Leider zündet der Witz nicht sehr oft, der Geist entpuppt sich rasch als Schimäre und die Originalität beschränkt sich auf den Umstand, dass da zwei bejahrte Stars wieder jung werden und den zweiten Frühling erleben.
Inszenatorisch bleibt das Ganze permanent bleischwer auf dem Boden kleben; es gibt zwar viele Schnitte, doch die sollen nur darüber hinweg täuschen, dass der Regisseur wenig Ideen hatte, das Dialogstück ansprechend visuell aufzubereiten. Man bekommt talking heads – auf schauspielerisch ziemlich mittelmässigem Niveau. Rampling und Rochefort enttäuschen auf der ganzen Linie. Sie gestikulieren zwar eifrig und ausgiebig, doch schaffen sie es nicht, die flachen Dialoge bekömmlich zu verpacken.
Wahrlich kein „must“…!

Wer sollte sich Désaccord parfait trotzdem ansehen?
Hmmm… Fans der beiden Stars vielleicht...

Wo bekomme ich die DVD?
Der Film ist u.a. bei amazon.de bestellbar.

DER GROSSE KÖNIG (1942)

Deutschland 1942
Mit Otto Gebühr, Gustav Fröhlich, Kristina Söderbaum, Paul Wegener, Paul Henckels u.a.
Regie und Drehbuch: Veit Harlan
Dauer: 116 min
Meine Wertung: 3/10

Inhalt:
Friedrich der Grosse, König von Preussen, muss in der Schlacht von Thorgau einen bitteren und vernichtenden Verlust einstecken, als ein ganzes Preussenbatallion vor dem Feind (Österreich) flüchtet.
In der Folge rappelt er sich aber wieder auf und geht siegreich aus dem siebenjährigen Krieg hervor.

Weshalb wertet gabelingeber Der grosse König als schlechten Film?
Der “alte Fritz“ wird in diesem Durchhaltefilm aus dem Dritten Reich deutlich als Substitut für den „Führer“ eingesetzt. Dieses Werk des berüchtigten Regisseurs Veit Harlan (Jud Süss) „glänzt“ mit säbelrasselnder Kriegsrethorik – der Sieg Preussens wird als das höchste aller Ziele dargestellt, ihm hat sich jeder Einzelne bedingungs- und hirnlos unterzuordnen. Deserteure sind demzufolge verachtenswürdige und gewissenlose  Kreaturen. Und weil mit Friedrich dem Grossen eigentlich Adolf Hitler gemeint war, kam damals auch niemand der Macher auf die Idee, biografisches Unterfutter beizusteuern. König Friedrich ist in diesem Film eine leere Hülle, eine Projektionsfläche für die Nazis. Das strategische Geschick dieses Feldherrn wird in keinem Moment erörtert; er ist erfolgreich einzig aufgrund seines „Willens zum Sieg“ und weil sich die Soldaten bedingungslos hinter seine Ziele stellten.
Es ist nicht mitanzusehen, wie fraglos der Krieg hier als Notwendigkeit präsentiert wird. Heutigen Sehgewohnheiten läuft dies fast schon schmerzhaft zuwider; uns, die wir mit dem Anti-Kriegsfilm aufgewachsen sind, erscheint dieser Streifen grotesk und seine Botschaft ungeheuerlich.
Dabei ist die Regie durchaus beachtlich. Veit Harlan verstand sein Handwerk – nicht nur die vielzitierten Massenszenen zeigen das. Die Schauspieler sind ebenfalls sehr gut – daran liegt’s also nicht. Dass sie alle in Goebbels Diensten standen und des GröFaZ‘ Kriegsgeschrei weitergaben – die einen wohl etwas vorbehaltloser als die anderen – lässt ihre Leistungen allerdings in zweifelhaftem Lichte erscheinen.
Eine Überraschung hielt der Film für mich als Stummfilmbegeisterten allerdings bereit: Metropolis-Beau Gustav Fröhlich beweist hier – in der Rolle eines knurrigen, rauhbeinigen Korporals – dass er schauspielerisch tatsächlich etwas drauf hatte. Nach der Sichtung von Metropolis ist man nämlich geneigt, ihm jegliches Talent in dieser Sparte abzusprechen.

Wer sollte sich Der grosse König ansehen?
Historisch Interessierte. Leute, die sich ein Bild davon machen wollen, wie Kriegspropaganda funktioniert.

Wo bekomme ich die DVD?
Bei amazon. de – wenn’s denn sein muss!

INTOUCHABLES (2011)

(dt.: Ziemlich beste Freunde)
Frankreich 2011
Mit François Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny u.a.
Regie und Drehbuch: Olivier Nakache und Eric Toledano
Dauer: 112 min.
Meine Wertung: 5/10

Inhalt:
Banlieue-Schwarzer trifft auf reichen Querschnittgelähmten, wird zu dessen Pfleger, freundet sich mit ihm an und wächst an seiner Aufgabe. Das ist in Kurzform die Handlung von Olivier Nakache und Eric Toledanos äusserst erfolgreichem Sozialdrama mit komödiantischem Einschlag.
Meinen Leserinnen und Lesern wird der sarkastische Unterton dieser Zusammenfassung nicht entgangen sein. Und es stimmt – ich halte nicht viel vom neusten Publikumsliebling des „Arthouse-Kinos“.

Weshalb wertet gabelingeber Intouchables als mittelmässigen Film?
Der arme Schwarze und der reiche Weisse – die Klischees fangen schon bei der Wahl der Hauptprotagonisten an. Sie ziehen sich durch den ganzen Film hindurch, gut kaschiert hinter vorlauten oder galgenhumorigen, zumeist pfiffigen Dialogen. Intouchables kippt nie ins Weinerlich-Mitleidige, das ist sein grosses Plus. Aber das allein (plus gute Schauspieler) macht noch keinen guten Film!
Die Figuren und die Handlung bleiben oberflächlich. Obwohl es sich hier um die Verfilmung einer wahren Begebenheit handelt, bleibt sie dank der Oberflächlichkeit der beiden Hauptprotagonisten unglaubwürdig. Wichtige zwischenmenschliche Aspekte werden zwar angedeutet, um dann wie heisse Kartoffeln fallengelassen zu werden. Themen wie Respekt, menschliche Anteilnahme, soziales Engagement wurden wohl als zuwenig mainstreamtauglich erachtet und gekürzt. Das erweckt den Eindruck von „Feigheit vor der möglichen Niederlage an der Kinokasse“.
Und so schleichen sich immer wieder die Klischees ins Geschehen, und ja, allen markigen Sprüche zum Trotz auch die Sozial-Sülze.
Die Regie bewegt sich zudem auf dem Niveau eines besseren TV-Films: Es werden brav Dialoge und Handlungen abgefilmt; die Bilder selbst sprechen nicht, bleiben hohl und platt. Gebrauchsfilmerei halt. Für die schnelle Münze. Der Film ist eh’ bald wieder vergessen.

Wer sollte sich Intouchables ansehen?
Leute, die sich an mittelmässigen Filmchen nicht stören und die mit Oberflächlichkeiten zufrieden geben.

Wo bekomme ich die DVD?
Ab September 2012 kann er auf DVD bestellt werden.

HUGO CABRET (2011)

(dt.: Die Entdeckung des Hugo Cabret)
USA 2012
Mit Asa Butterfield, Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen, Christopher Lee u.a.
Drehbuch: John Logan nach dem Roman von Brian Selznick
Regie: Martin Scorsese
Dauer: 128 min
Meine Wertung: 9/10

Inhalt:
Der zwölfjährige Waisenjunge Hugo lebt im Gare Montparnasse in Paris und ist für die Mechanik der dort befindlichen Uhren besorgt. Er hält sie am Laufen, repariert sie und sorgt für Ersatzteile. Den kleinen Verschlag, der ihm als Unterkunft dient, teilt er mit einer mechanischen Puppe, die sein inzwischen verstorbener Vater zwecks Reparatur aus dem Museum mitgebracht hatte. In einem kleinen Buch hielt der Vater alle Details der Reparatur fest. Als dieses Buch eines Tages dem kleinen verbitterten Spielzeugbudenbesitzer des Gare Montparnasse in die Hände fällt, nimmt Hugos Leben eine dramatische Wende.
Im Bestreben, das Buch zurückzuerlangen lernt Hugo die Adoptivtochter des Spielzeugverkäufers kennen, die ihm ihre Hilfe versichert. Das Buch und der Spielbudenbesitzer führen die beiden Kinder auf die Spur einer viel grösseren Sache.
Über Martin Scorseses neuen Film wurde von der Presse mal wieder viel zu viel ausgeplaudert. Im Grunde müsste man hier mit der Inhaltsangabe aufhören, um die Geschichte nicht ihrer Überraschungen zu berauben und dem Film einige seiner zauberhafter Momente zu bewahren.


Weshalb wertet gabelingeber Hugo Cabret als sehr guten Film?
Das ist ohne zu spoilern doch recht schwierig zu beantwortenVersuchen kann ich’s ja.
Scorsese dreht hier eine Hommage an das Kino – an die Anfangszeit des Kinos um genau zu sein: An das Kino der Mechanik, der ratternden Kurbelprojektoren und dessen Protagonisten. Er tut dies mit den modernsten Mitteln des heutigen Kinos: Mit Computereffekten und im 3D-Verfahren. Das ist auf den ersten Blick ein grober Widerspruch – aber nur auf den ersten Blick. Die Magie, welche das Kino damals evozierte, wird mit diesen Mitteln für ein heutiges, vom übermässigem Filmkonsum übersättigtes und abgebrühtes Publikum erlebbar gemacht – mit Erfolg. Hugo Cabret kommt so verspielt märchenhaft daher, wie wenig andere Filme unserer Zeit.
Die Szenerie ist stets als künstlich erkennbar, Scorsese entwirft ein Studio-Paris aus lauter Kulissen, und so entsteht, wie einst bei F.W. Murnau, eine ganz eigene Kino-Kunst-Welt, welche die Wirklichkeit nachahmt und nach eigenen Gesetzen funktioniert. Die Inszenierung ist, wie eigentlich immer bei Scorsese, hervorragend.
Hugo Cabret ist eine Hommage an einen Filmpionier, den Kinomagier Georges Méliès und somit selbstreflexiv. Die Begebenheiten aus dessen Leben stimmen, Scorsese ist da peinlich um Akkuratesse bemüht. Méliès bildet einen realen Bezugspunkt im ganzen märchenhaften Geschehen, ja Scorsese bringt das Künststück fertig, dessen Leben wie ein Märchen aussehen zu lassen und es mit Méliès‘ Filmen verschmelzen zu lassen, aus denen immer wieder Ausschnitte zu sehen sind.
Aber Scorsese und seine Autoren gehen noch einen Schritt weiter: In der Kunstwelt, in der sie ihre Figuren agieren lassen, herrscht das Gesetzt der Mechanik; die Welt erscheint als grosser Mechanismus, in welchem jeder Mensch als kleines Rädchen seinen Platz hat. Dieser Bezug zum Zeitalter der Aufklärung ist beabsichtigt und verdeutlicht, dass die Kunstwelt von Hugo Cabret „Film“ heisst, oder „Kino“. Und der „Mechanismus Welt“? Ein grosser Projektor, was sonst?
Ein grandioser Welt-Entwurf, wie man ihn im amerikanischen Kino selten zu sehen bekommt.

Wer sollte sich Hugo Cabret ansehen?
Alle, die das Kino lieben; Stummfilmfreunde; Freunde guter Filme; alle, die ans Kino nicht den Anspruch haben, es müsse die Realität abbilden.

Wo bekomme ich die DVD?
Im Moment noch nirgends – der Film ist soeben in den Kinos angelaufen – und dort sollte man ihn auch sehen.

TAJEMSTVÍ HRADU V KARPATECH (1981)

(dt.: Das Geheimnis der Burg in den Karpaten)
Tschechoslowakei 1981
Mit Michal Docolomanský, Milos Kopecký, Vlastimil Brodský, Rudolf Hrusinský u.a.
Regie: Oldrich Lipský
Dauer: 97 min
Meine Wertung: 7,5/10

Inhalt:
Der Graf und Sänger (Tenor) Teleke von Tölökö reist mit seinem Diener in die Karpaten, um den Verlust seiner Geliebten, der Sängerin Salsa Verde zu vergessen. Doch in einer nahen Burg gehen seltsame Dinge vor sich – unter anderem erklingt dort nachts die Stimme Salsas. Mit dem Forstwart Dézi macht sich unser Held auf, das Geheimnis zu lüften. Sie entdecken den wahnsinnigen Grafen Gorc, der zusammen mit dem verrückten Professor Orfanik einen gefährlichen Plan ausheckt und Salsa offenbar gefangen hält.
Ziemlich freie Verfilung von Jules Vernes Roman Das Karpatenschloss.

Weshalb wertet gabelingeber Tajemství hradu v Karpatech als guten Film?
Ein irrer Film, der aussieht, als wäre er gedreht worden, um das Attribut skurril zu illustrieren. Dabei wirkt er aber alles andere als angestrengt. Der Irrwitz hat etwas Natürliches. Alles stellt sich in dessen Dienst, von den lustvoll chargierenden Schauspielern über die Ausstattung bis zur Maske. Tajemství hradu v Karpatech ist ein Fest von A bis Z, bei dem die Beteiligten einen unglaublichen Spass gehabt haben mussten.
Dabei ist das Ganze nicht einmal besonders gut inszeniert: Die Kamera ist durchs Band wackelig und beweist, dass die Tschechen Dogma schon Jahrzehnte vor den Dänen erfunden hatten, die Kadrage erscheint einen Tick irr,  genau wie alles andere an diesem Film. Das hat Programm, denn auch die Schauspieler wurden dazu angehalten, möglichst „schlecht“  zu spielen, wie Laien in einem Dorftheater. Und doch erscheint Tajemství hradu v Karpatech als rundes Ganzes, das den Betrachter mit trashigem Look, ausserirdischem Witz und unglaublichen Einfällen pausenlos verblüfft und zum Lachen bringt, und sich selbst und die Vorlage keinen Moment Ernst nimmt. Damit schafft er ein eigenes Genre: Die anspruchsvolle Literatur-Vertrashung. Köstlich!

Wer sollte sich Tajemství hradu v Karpatech ansehen?
Leute mit Sinn fürs Skurrile; Freunde absurden Humors, gehobenen Trashs und tschechischer Filme.

Wo bekomme ich die DVD?
Der Film ist in der Doppel-DVD-Box Jules Verne Box 3 enthalten, zusammen mit dem Stummfilm 20’000 Meilen unter dem Meer (1916) und dem Spielfilm Mathias Sandorf mit Louis Jourdan (1962).

FLAWLESS (2008)

(dt.: Flawless – Ein tadelloses Verbrechen)
GB 2008
Mit Demi Moore, Michael Caine, Joss Ackland, Lambert Wilson u.a.
Drehbuch: Edward Anderson
Regie: Michael Radford
Art Director: Chris Lowe
Dauer: 108 min
Meine Wertung: 8/10

Inhalt:
London, die Sechzigerjahre: Laura Quinn hat sich bei LonDi (London Diamonds), dem weltweit führenden Diamantenhändler, als einzige Frau in die Führungsriege hochgearbeitet. Während einer politischen Firmenkrise soll sie entlassen werden. Diese Information trägt ihr jedenfalls Mr. Hobbs zu, der Hausmeister der Firma.
Hausmeister Hobbs, ein vom Leben schwer geprüfter und offenbar ebenfalls von der Firma übergangener Mensch, plant eine Racheaktion, einen Diamentenraub, einen Einbruch in den Safe der Firma, und Quinn soll ihm als Insiderin behilflich sein.
Sie tut’s, denn Hobbs verspricht ihr Genugtuung für die erlittene Schmach  – zudem wartet er mit einem perfekten Plan auf. Der entpuppt sich jedoch plötzlich als etwas ganz anderes…



Weshalb wertet gabelingeber Flawless als guten Film?
Flawless überzeugt auf der formalen Ebene mehr als auf der inhaltlichen. Die Story ist nicht so stringent und dicht wie die Inszenierung; sie weist einige logische Lücken auf.
Doch Michael Radfords Regie macht dies wett. Er inszeniert die Geschichte einerseits als Hommage an die Sechzigerjahre, indem er jene Dekade in filmästhetischer Hinsicht nachvollzieht und den Stil von seinem exzellenten Art Director perfekt nachempfinden lässt. Zudem wird LonDi, die Firma, unter seinen Händen zum heimlichen Hauptprotagonisten. Das Gebäude erscheint als edel ausgestatteter Käfig, als eine Art Designer-Kerker, welcher die Geschicke der darin eingesperrten Menschen bestimmt und ihnen jede Selbstbestimmung nimmt.
Mr. Hobbs bricht im wahrsten Sinne des Wortes aus diesem Verhaltens-Kerker aus, zieht Laura mit  und triumphiert.
Die Inszenierung des „grossen Coups“ bezieht die engen Gänge und weiten Hallen von LonDi geschickt in die Spannungsdramaturgie mit ein; ein Grossteil der Suspense entspringt der gewagten Architektur der Räumlichkeiten.
Michael Radford zeigt hier, wie ein fähiger Regisseur ein mittelmässiges Drehbuch aufwerten kann. Zur Seite stehen ihm zum Teil grossartige Akteure, die im von ihnen geforderten unterkühlten Stil leise Zwischentöne herauszuarbeiten vermögen.
So ist Flawless zum niveauvollen Unterhaltungsfilm geworden, dessen Sichtung nicht nur ein spannendes Filmerlebnis beschert, sondern all jenen, die gute Regieführung schätzen, zum Vergnügen wird.

Wer sollte sich The General ansehen?
Leute, die gute Regiearbeit erkennen und schätzen; Freunde spannender Unterhaltung.

Wo bekomme ich die DVD?
Sie ist bei amazon.de bestellbar.