A PRAIRIE HOME COMPANION (2006)

A PRAIRIE HOME COMPANION
(dt.: Robert Altman’s Last Radio Show)
USA 2006
Mit Garrison Keillor, Meryl Streep, Lily Tomlin, Kevin Kline, Woody Harrelson, John c. Reilly, Tommy Lee Jones, Virginia Madsen, Lindsay Lohan u.a.
Drehbuch: Garrison Keillor und Ken LaZebnik
Regie: Robert Altman
Dauer: 105 min
Meine Wertung: 10/10

Inhalt:
“A Prairie Home Companion” – so heisst eine real existierende Radiosendung, die der Schriftsteller Garrison Keillor seit Jahren schreibt und moderiert. Sie basiert auf den Mustern alter Radiosendungen der 50er-Jahre und verquickt Country-Music mit witzigen Sketches. Keillor hatte diese Form mit grossem Erfolg wiederbelebt.
Den Film schrieb Keillor sich und seiner Show auf den Leib. Er geht von der Annahme aus, das Fitzgerald-Theater, wo die Sendung seit Jahren vor Live-Publikum über die Bühne geht, sei an einen texanischen Ölbaron verkauft worden und stünde vor dem Abriss. Wir begleiten die Protagonisten durch die allerletzte Vorstellung des “Prairie Home Companion”. Es wird geliebt, gestorben, gelacht, gesungen und… gefurzt. Wie im richtigen Leben! (Im “richtigen Leben” läuft die Sendung heute noch – hier ist ihre Homepage mit zahlreichen Hörbeispielen).

Weshalb wertet gabelingeber A Prairie Home Companion als grossen Film?
Was soll ich sagen? A Prairie Home Companion gehört zu meinen liebsten Filmen.
Es handelt sich um einen dieser Filme, die man nicht wirklich erklären kann. Man muss sie sehen, um zu verstehen. Es handelt sich um einen dieser Filme, die plötzlich “abheben”; die plötzlich mit Magie verzaubern, mit jener Magie, die es nur im Kino und auch dort nur sehr selten gibt. Möglich, dass diese “Magie” nicht von allen gleich wahrgenommen wird. Möglicherweise braucht es dazu eine gewisse Empfänglichkeit. A Prairie Home Companion ist jedenfalls ein Film voll solch “magischer Momente”.
Etwa wenn die beiden Cowboys Rusty und Lefty ein Lied aus lauter bad jokes vortragen. Oder wenn Meryl Streep und Lily Tomlin in ihren Rollen als abgehalftertes singendes Geschwisterpaar den Song My Minnesota Home zum besten geben, während ein Engel durch die Kulissen wandelt. Klingt kitschig – ist es aber nicht. (Wie gesagt: Man kann diesen Film nicht erklären!)
A Prairie Home Companion ist ein Film übers Sterben. Er wurde zu Robert Altmans letztem Film, und man spürt, dass er dies wusste, dass die ganze Crew dies wusste. Das Sterben wird hier völlig unsentimental als Alles muss einmal zum Ende kommen mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf der Bühne gefeiert. Es gibt Sentimentalitäten, doch die werden derart beiläufig, leichthändig und trocken serviert, dass sie tatsächlich zu Herzen gehen. Um sogleich und aus heiterem Himmel von einer dieser wunderbar skurrilen Werbeeinlagen unterbrochen zu werden (Be Bop A-Reebop Rhubarb Pie). Altmans letzter Film ist zum Kringeln traurig und zum Schluchzen lustig.
Er wartet mit einem beeindruckenden Staraufgebot auf, und selten sah ich einen Film, bei welchem jeder Einzelne derart in seiner Rolle aufgeht wie hier. Woody Harrelson und John C. Reilly sind Rusty und Lefty, Meryl Streep und Lily Tomlin sind die Johnson Sisters. Allen voran steht aber der Autor und Moderator, Garrison Keillor, der für mich die eigentliche Entdeckung des Films war. Seine Texte funkeln vor Brillianz – er trägt sie mit dem Gestus eines gelangweilten Oberkellners vor. Die Country-Songs, von denen der Film voll ist, wurden von Keillor entweder neu getextet oder gleich neu komponiert – sie sind ein Vergnügen für sich, auch für Leute (wie mich), die mit diesem Musikstil nie etwas anfangen konnten.
Robert Altman, der nicht wusste, ob er den Film zu ende inszenieren konnte – man engagierte Paul Thomas Anderson als Aushilfs-Regisseur auf Abruf – läuft hier mit seinem berühmten kaleidoskopartigen Stil noch einmal zu alter Hochform auf. Es ist nicht ganz klar, ob A Prairie Home Companion nun mehr Altmans oder mehr Keillors Film ist. Sicher ist, dass Keillor die Dialoge am Set ständig wieder umschrieb. So kann man sich vorstellen, dass er sich von Altmans “Abschied” hat inspirieren lassen, denn vielen Sequenzen ist das Thema Tod eigen, das ganze Werk dreht sich ums Abschiednehmen in all seinen Facetten.
Ein wahrhaft grosser Film, der seine grossen Gefühle auf Sparflamme serviert, der einen eigenen Kosmos entwickelt, in dem sich Kunstfiguren wie der Privatdetektiv Guy Noir oder der Engel im weissen Trenchcoat mit Menschen aus der realen Welt treffen; ein Film, der von vielen noch immer unbemerkt seiner Entdeckung harrt – gesponsert von Powdermilk Biscuits!

Wo bekomme ich die DVD?
Sie ist ganz einfach bei amazon.de bestellbar.

2 Kommentare

  1. Ich mag “Prairie Home Companion” auch, schon wegen der vorherrschenden nostalgischen Stimmung. Allerdings steht er für mich nicht über diversen Altman-Filmen seit “Short Cuts”. – Was ich in diesem Zusammenhang hübsch finde: Dass man gern davon ausgeht, ein Regisseur habe gespürt, dass ein bestimmter Film sein letzter werden würde. Klang bei Fellinis “Ginger e Fred” (1986) ähnlich und liesse sich bestimmt noch an diversen weiteren Beispielen aufzeigen. Ich versuchte die “Last Radio Show” einfach immer als Film über die Vergänglichkeit zu sehen, über Menschen, die sie akzeptieren und solche, die es nicht können. Übrigens: Meryl Streep hat eine mehr als beachtliche raue Stimme.

  2. Hier war’s aber tatsächlich so. Altman inszenierte den Film mit Krebs im Endstadium – er spürte es nicht nur, er wusste, dass dies sein letzter Film sein würde.
    Und gerade dieser Umstand erhebt den Film für mich in olympische Höhen: Weil er derart entspannt aber absolut nicht oberflächlich mit dem allgemein verdrängten Thema Tod umgeht und darin Vorbildwirkung hat.

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