DER GROSSE KÖNIG (1942)

Deutschland 1942
Mit Otto Gebühr, Gustav Fröhlich, Kristina Söderbaum, Paul Wegener, Paul Henckels u.a.
Regie und Drehbuch: Veit Harlan
Dauer: 116 min
Meine Wertung: 3/10

Inhalt:
Friedrich der Grosse, König von Preussen, muss in der Schlacht von Thorgau einen bitteren und vernichtenden Verlust einstecken, als ein ganzes Preussenbatallion vor dem Feind (Österreich) flüchtet.
In der Folge rappelt er sich aber wieder auf und geht siegreich aus dem siebenjährigen Krieg hervor.

Weshalb wertet gabelingeber Der grosse König als schlechten Film?
Der “alte Fritz“ wird in diesem Durchhaltefilm aus dem Dritten Reich deutlich als Substitut für den „Führer“ eingesetzt. Dieses Werk des berüchtigten Regisseurs Veit Harlan (Jud Süss) „glänzt“ mit säbelrasselnder Kriegsrethorik – der Sieg Preussens wird als das höchste aller Ziele dargestellt, ihm hat sich jeder Einzelne bedingungs- und hirnlos unterzuordnen. Deserteure sind demzufolge verachtenswürdige und gewissenlose  Kreaturen. Und weil mit Friedrich dem Grossen eigentlich Adolf Hitler gemeint war, kam damals auch niemand der Macher auf die Idee, biografisches Unterfutter beizusteuern. König Friedrich ist in diesem Film eine leere Hülle, eine Projektionsfläche für die Nazis. Das strategische Geschick dieses Feldherrn wird in keinem Moment erörtert; er ist erfolgreich einzig aufgrund seines “Willens zum Sieg” und weil sich die Soldaten bedingungslos hinter seine Ziele stellten.
Es ist nicht mitanzusehen, wie fraglos der Krieg hier als Notwendigkeit präsentiert wird. Heutigen Sehgewohnheiten läuft dies fast schon schmerzhaft zuwider; uns, die wir mit dem Anti-Kriegsfilm aufgewachsen sind, erscheint dieser Streifen grotesk und seine Botschaft ungeheuerlich.
Dabei ist die Regie durchaus beachtlich. Veit Harlan verstand sein Handwerk – nicht nur die vielzitierten Massenszenen zeigen das. Die Schauspieler sind ebenfalls sehr gut – daran liegt’s also nicht. Dass sie alle in Goebbels Diensten standen und des GröFaZ’ Kriegsgeschrei weitergaben – die einen wohl etwas vorbehaltloser als die anderen – lässt ihre Leistungen allerdings in zweifelhaftem Lichte erscheinen.
Eine Überraschung hielt der Film für mich als Stummfilmbegeisterten allerdings bereit: Metropolis-Beau Gustav Fröhlich beweist hier – in der Rolle eines knurrigen, rauhbeinigen Korporals – dass er schauspielerisch tatsächlich etwas drauf hatte. Nach der Sichtung von Metropolis ist man nämlich geneigt, ihm jegliches Talent in dieser Sparte abzusprechen.

Wer sollte sich Der grosse König ansehen?
Historisch Interessierte. Leute, die sich ein Bild davon machen wollen, wie Kriegspropaganda funktioniert.

Wo bekomme ich die DVD?
Bei amazon. de – wenn’s denn sein muss!

3 Kommentare

  1. Eine Frage, die ich mir natürlich nicht verkneifen kann: Ersäuft die “Reichswasserleiche” Söderbaum sogar in diesem Streifen? :) – Ich muss dir zustimmen: Harlan verstand sein Handwerk. Er war, wie ich bei der Sichtung eines unseligen Streifens zugestehen musste, wohl sogar der einzige Goebbels-Regisseur, der seinen Schauspielern das Theatralische austrieb und es technisch mit Hollywood hätte aufnehmen können. Den “grossen König” sah ich nur ausschnittsweise, kann mir sein Pathos aber auch nur als mühsam vorstellen. Goebbels soll übrigens angeordnet haben, dass jede Ähnlichkeit mit dem Führer vermieden werde. Derartige Aufdringlichkeiten brauchte es vermutlich gar nicht.

    Alle Achtung vor deinem Mut, auch mal wieder einen Film aus der Nazizeit zu besprechen! Man schafft die Dinger nicht aus der Welt, indem man sie ignoriert. Dieser Gedanke trieb auch mich im Zusammenhang mit der Aktion DÖS zur Besprechung zweier Filme aus der Zeit. Solche Besprechungen sind spannend und lehrreich; sie tragen auch zu einer Vergangenheitsbewältigung bei, die andauern muss. :)

    • Ja, Du hast Recht, äussere Ähnlichkeit hat’s hier wirklich nicht mehr gebraucht!
      Ich habe mich nach der Sichtung übrigens gewundert, dass auf der DVD kaum Informationen über die Hintergründe zu diesem Film zu finden sind.

      • Diese Reihe “Deutsche Filmklassiker” scheint es, so brauchbar sie für uns DÖSler ist, allgemein nicht so mit den Informationen zu haben (ich besorgte mir “Frauen sind doch bessere Diplomaten” von ihr). Sie richtet sich offenbar ein wenig wie das Wiener Kino “Bellaria” vor allem an Grosseltern, die noch einmal unbehelligt in der Vergangenheit schwelgen wollen.

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